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Ausstellung: “Fashion – Was Mode zu Mode macht”

Ausstellung: “Fashion – Was Mode zu Mode macht”

von Marie Therese

Ihr Lieben,

was schätzen Sie? Wie viele Kleidungsstücke kaufen die Deutschen durchschnittlich im Jahr? Rund 60 sind es, und das entspricht dann einer Menge von rund 27 Kilogramm Stoff. Ehrlich gesagt, ich hätte die Zahl noch höher geschätzt, aber man darf ja nicht von sich selbst ausgehen, es ist ja ein Durchschnittswert, der alle einschließt, Männer wie Frauen, vom Kind bis zum Rentner.

Woher ich das weiß? Am vergangenen Wochenende war ich in einer Ausstellung über Mode, noch gerade rechtzeitig, bevor die Museen jetzt wohl wieder schließen müssen. “Fashion?! – Was Mode zu Mode macht”, heißt die sehenswerte Schau im Stuttgarter Landesmuseum, die auch überregional Aufmerksamkeit findet. Da gibt es nicht nur schräge Designer-Klamotten zu entdecken, die Modegeschichte geschrieben haben, wie das Damenkostüm, das Karl Lagerfeld einst für Chanel entwarf, oder den quietschgrünen, superkurzen Regenmantel, mit dem Mary Quant im London der Swinging Sixties für Aufsehen sorgte. Nein, ich habe dort auch viele Fakten mitgenommen, die mich einigermaßen haben staunen lassen. Zum Beispiel, dass der Modekonsum in den letzten Jahren noch einmal extrem zugenommen hat: zwischen 2000 und 2015 hat er sich verdoppelt. Die Ausgaben für Mode allerdings sind im gleichen Zeitraum in etwa gleich geblieben, da die Produktion weitgehend in Billiglohnländer ausgelagert wurde. Da hat man den Wandel der Modebranche mal schwarz auf weiß. Und auch die Tatsache, dass ein T-Shirt gerne mal 30.000 Kilometer um die Welt jettet, bevor es auf dem Ladentisch landet. Kaum zu glauben. Doch von der Rohstoffernte bis zur letzten Naht kann das T-Shirt tatsächlich einmal um den Globus gehen.

Aber es gibt auch ein Umdenken, und davon erzählt die Stuttgarter Fashion-Schau ebenso: Themen wie Nachhaltigkeit und faire Produktion spielen für die Menschen eine immer größere Rolle. Noch so ein Faktum: Ein T-Shirt wird durchschnittlich 163 mal getragen, dann wandert es in den Altkleidercontainer. Klar, auch die Altkleider werden wieder verwertet und werden womöglich weiter getragen. Sehr viel wird aber auch weggeschmissen, was damit zu weiter steigenden Müllbergen führt.

Das alles bestärkt mich in meinem vielleicht etwas altmodisch daherkommenden Bewusstsein: weniger ist mehr. Lieber auf Qualität setzen. Und die Billigketten, bei denen das T-Shirts schon für 5 Euro zu haben ist, die lassen wir ohnehin links liegen.

Keine Ahnung übrigens, wie das mit den Museen im Lockdown jetzt weitergeht. Aber die Ausstellung in Stuttgart ist noch bis zum 25. April nächsten Jahres angesetzt. Vielleicht schauen Sie mal vorbei. Hier der Link: https://www.landesmuseum-stuttgart.de/ausstellungen/sonderausstellung-fashion/

Kommen Sie gut durch die neue Woche!

Ihre Marie Therese

Marie Therese

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Mode im Größenwahn

Mode im Größenwahn

von Marie Therese

Ihr Lieben,

 

jetzt also mal wieder Oversize – und gemeint sind nicht etwa Übergrößen für “kräftige” Frauen: sehr großzügige, überdimensionierte Schnitte sind gerade voll im Trend. Riesengroße Kastenpullis, die fast bis zu den Knien reichen, extrem weite Hosen, die in der Tallie mit einem Gürtel festgeschnallt werden müssen oder weit flatternde Kleider, das alles trägt man jetzt wieder. Ein Look, der für Freiheit und Emanzipation stehen soll. Aber hatten wir das nicht alles schon einmal?

 

Ich kann mich gut daran erinnern, in meinen Pubertätsjahren stritt ich mit meinen beiden jüngeren Schwestern um die abgelegten Hemden und Pullover unseres Vaters. Der Mann war nicht gerade schmal gebaut, seine Pullis für uns Mädels also riesiggroß und sie hatten nichts von dem, wie unsere Mutter uns gerne gesehen hätte. Aber genau das war ja Sinn der Übung! Unser Ziel war: anders sein als die alten Eltern – wir wollten uns bewusst absetzen, es sollte ein Statement sein gegen das Establishment, und dafür gab es keine bessere Ausdrucksmöglichkeit als unsere Kleidung. Eng anliegende, taillierte Kleider waren für uns damals ein NoGo. Natürlich auch Schuhe mit Absätzen, das ging gar nicht. Feminine Rüschenblusen, womöglich noch mit Dekollete, waren das Sinnbild für Spießigkeit. Mit den viel zu großen weißen Oberhemden unseres Vater dagegen fielen wir auf. Und dazu zu stehen, das war unsere Form von Aufmüpfigkeit. Es hatte etwas Befreiendes.

 

Jetzt ist diese Mode auf einmal wieder da. Da frage ich mich, was dahinter steckt: Ist das heute abermals ein Akt der Befreiung, ein Statement gegen Konventionen? Raus aus der Enge, weg mit dem Einschnürenden, ein selbstbewusstes Stehen zu sich selbst?

 

Machen wir uns nichts vor: es ist erst einmal nur ein Kontrast zum letzten Branchentrend, denn bekanntlich zitiert sich die Mode immer wieder selbst. Aber ich finde, er passt gut in diese Zeit. Wenn der Körper nicht gleich zur Schau gestellt wird, hat das auch etwas Entlastendes. Man besinnt sich vielleicht eher auf innere Werte. Druck und Stress haben wir im Alltag genug, zumal in diesen Zeiten. Offen gestanden: ich kann mich gut damit anfreunden, und zum Glück bin ich heute nicht mehr auf abgetragene Männerpullover angewiesen.

 

Ihre

Marie Therese

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besser gscheid als fesch

besser gscheid als fesch

von Marie Therese

Ihr Lieben,

 

können Sie sich auch noch daran erinnern, was Sie auf Ihrer ersten Party getragen haben? Bei Ihrem Abschlussball? Oder welches Kleid Sie sich extra für einen runden Geburtstag geleistet haben? Oder überlegen Sie sich jetzt schon, was Sie mal zur Hochzeit Ihrer Tochter tragen möchten? Besondere Anlässe verbinde ich jedenfalls auch immer mit der dazu passenden Gardrobe. Aber was heißt eigentlich passend? Wozu soll die Gardrobe passen, zum Anlass oder zu mir?

 

Elke Heidenreich hat wieder mal ein kluges Buch geschrieben. Dieses Mal aber nicht über Opern und auch nicht über den Kater Nero Corleone, sondern über Mode. Die Zeitungen sind gerade voll davon und ich bin mir sicher, dass manche Ansichten und Aussagen von ihr den Nerv vieler Frauen treffen. „Kleider geben einem ein bestimmtes Gefühl für einen bestimmten Tag“, stellt Heidenreich fest, und legt Wert darauf, dass sie zu Hause zwar durchaus auch mal leger und bequem gekleidet ist – aber dabei nie die “Contenance” verliert. Sie sagte wirklich “Contenance” in dem Interview, das ich mit ihr gehört habe, und das hat mich beeindruckt: es bestärkt mich darin, mich so zu kleiden, wie ich mich selber gerne sehe und wohlfühle. Allzu oft unterliegt man ja unwillkürlich Trends oder Strömungen, die eigentlich gar nicht zu einem passen. Es gehört eine innere Stärke dazu, zu sich zu stehen – und nicht nur eine Rolle zu spielen.

 

Aber Elke Heidenreich sieht nicht nur sich, und auch das gefällt mir an ihrer Haltung: man müsse sich auch am jeweiligen Anlass orientieren. Bei Konzerten beispielsweise gebiete es schon der Respekt den Künstlern gegenüber, sich entsprechend anzuziehen. Manchem mag das altmodisch erscheinen – ich finde, das hat Stil. Eine nette Anekdote schildert sie von der Eröffnungsfeier der Salzburger Festspiele, wo sie eine Rede halten sollte, aber sich nicht klar gemacht hatte, dass sie da voll im Rampenlicht stehen würde. Sie entschied sich ganz bewusst für das Lieblingskleid ihrer Mutter noch aus den 30er Jahren: Schwarze Seide mit weißen Pünktchen, und sie nahm in Kauf, dass das Erbstück auf dem Rücken leider schon Mottenlöcher hatte. Das Kleid gab ihr Kraft und Selbstvertrauen für ihren Auftritt, so schildert sie das. Hinterher, auf der Toilette im Festspielhaus hört sie, wie zwei Österreicherinnen zwar beeindruckt von ihrer Rede waren, doch dann gemeinsam feststellten: “Aber fesch ist sie nicht“. Heidenreich, die in diesem Moment dazu kam, ziemlich peinlich für die beiden Ladies, entgegnete ihnen, selbstbewusst und schlagfertig, wie sie ja ist: „Aber fesch seid doch ihr!“

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen selbstbewusst modischen Start in die neue Woche!

 

Ihre Marie Therese