Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Darf man über die Mode von Politikerinnen sprechen?

Darf man über die Mode von Politikerinnen sprechen?

von Marie Therese

Ihr Lieben,
ganz in weiß… Sie haben den Auftritt vielleicht auch gesehen: Kamala Harris in einem weißen Hosenanzug, als sie ihre erste Rede als frisch gewählte Vizepräsidentin hielt. Ein starkes Bild, das mir die ganze Woche nicht aus dem Kopf ging. In den USA soll es im Netz einen regelrechten Hype geben: unter dem Stichwort “get her look” werden massenweise weiße Hosenanzüge mit seidenen Schleifenblusen bestellt. Und auch in Deutschland ist fast jede Zeitung auf Harris’ Outfit eingegangen. Da wurde zum Beispiel ein Farbpsychologe mit dem Satz zitiert: “Weiß ist eine Farbe, die für Reinheit steht. Wie Harris damit auf die Bühne kam – das war inszeniert wie eine Art Erlösung.”
Ganz ehrlich, haben Sie eine einzige Zeile über das Outfit von Joe Biden gelesen? Über seinen staatstragenden dunkelblauen Anzug mit der königsblauen Krawatte? Mir stellt sich wieder einmal die Frage: Ist es bei Frauen vor allem das Äußere, die Oberfläche , wofür sich das Publikum interessiert? Zum Glück fällt mir gleich ein Gegenbeispiel ein: Joschka Fischer, der 1985 als hessischer Umweltminister in weißen Turnschuhen den Amtseid leistete. Kein Zweifel, Politikerinnen und Politiker wollen mit ihrer Kleidung auch Botschaften setzen. Fischer wollte anders sein, er brach mit seinem Outfit bewußt die Konvention – das war ein Ausdruck seiner alternativen Weltanschauung. Kleider senden Signale, das wissen Männer wie Frauen in der Politik. Aber Frauen in der Politik schöpfen die Möglichkeiten dieses Machtmittels sehr viel geschickter aus. Dazu kann auch ein knallroter Lippenstift zählen, mit dem einst die Suffragetten durch New York marschierten.
Vor allem aber trugen sie weiß, jene Frauenrechtlerinnen, die Anfang des 20. Jahrhunderts in England und in den USA auf die Straße gingen. Ihr Ziel: das Wahlrecht für Frauen, ihr Markenzeichen: weiße Kleider, die die Reinheit ihrer Absichten unterstreichen sollten. Der Auftritt von Kamala Harris war eine starke Botschaft: vor genau 100 Jahren nämlich wurde in den USA ein Zusatzartikel in die Verfassung eingefügt, und seitdem dürfen Frauen auch in den USA bei Wahlen ihre Stimme abgeben. Daran hat Kamala Harris uns nun alle erinnert. Und soll ich Ihnen was sagen: ich habe jetzt richtig Lust bekommen, nach einem Hosenanzug zu suchen – ganz in weiß natürlich.
Ihre

Marie-Therese

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.