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“Kleider machen Leute”

“Kleider machen Leute”

von Marie Therese

Ihr Lieben,

in der “Fashion?!”-Ausstellung, über die ich letztes Mal berichtet hatte, ist mir die Erzählung “Kleider machen Leute” von Gottfried Keller wieder eingefallen. Darin schafft ja der arme Schneidergeselle den Sprung in die Highsociety nur aufgrund seines Äußeren, weil er sich gerne sehr gut kleidet. Und natürlich ist es immer noch so, dass Mode mehr ist als nur Kleidung! Mit Mode will ich ausdrücken, wer ich bin oder was ich sein will: Vamp, Businessfrau oder Intellektuelle – wir werden so wahrgenommen, wie wir uns anziehen. 

In besagter Mode-Schau sind in einer Vitrine die völlig abgetragenen, ollen Birkenstock-Sandalen von Steve Jobs ausgestellt. Es ist nicht zu übersehen, dass der Apple-Mitbegründer seine Latschen viel und leidenschaftlich getragen hat. Mittlerweile sind Birkenstocks längst voll im Trend, es gibt sie in vielen Formen und Farben und sie sind fast schon salonfähig. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass ich mit bestimmten Dingen, die ich trage, auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe markieren kann. Steve Jobs stand für eine ganz andere Unternehmskultur. Er konnte es sich nicht nur leisten, solche Schlappen zu tragen, er hat damit ein Statement abgegeben und dann auch einen Trend gesetzt.

Mode wird ja gerne vorgehalten, dass sie oberflächlich sei. Und tatsächlich zeigt sie ja auch erst einmal eine Oberfläche. Sie bestimmt das Äußere, ist damit auch immer der erste Eindruck, den ich anderen gebe. Insofern ist Mode eine Sprache, in der niemand schweigen kann. Und eigentlich ganz und gar nicht oberflächlich. 

So war es auch bei dem Schneidergesellen. Er hat sich getraut, sich anders zu kleiden. Eine Tochter aus höherem Stand hat sich so in ihn verliebt und bei ihrem Vater durchgesetzt, dass die beiden heiraten durften. Er wird zwar dann entlarvt, die Täuschung fliegt auf – die Liebende erkennt aber erst durch diese Wendung sein wahres, tugendhaftes Wesen und heiratet ihn umso überzeugter. Doch ohne seinen ersten Auftritt im langen, kostbar wirkenden, samtgefütterten Mantel wäre sie nie auf ihn aufmerksam geworden. Und aus dem mittellosen Schneidergesellen wurde ein angesehener Tuchherr. Was für eine rührende Geschichte, auch wenn sie 150 Jahre alt ist!

Ihre

Marie-Therese

1 Gedanke zu „“Kleider machen Leute”

  1. Finde ich sehr gut!

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