Ihr Lieben,

Die Zeitungen sind dieser Tage voll davon: die Herbstmode in Corona-Zeiten wird angeblich von ganz neuen Materialien dominiert. Nein, ich meine jetzt nicht die allgegenwärtige Jogginghose, mit der wir es uns im Homeoffice in den letzten Monaten gemütlich gemacht haben. Über eine sagenhafte Entwicklung wird da berichtet: Antivirale Jeans sollen in der Lage sein, auch noch jene Viren abzutöten, die wir nicht schon durch unsere Masken aufgehalten haben. Fehlt eigentlich nur noch der Alu-Hut…

Aber tatsächlich scheint die Modebranche in diesem Herbst vermehrt Statements setzen zu wollen. Veganes Leder etwa soll der letzte Schrei sein, ein modisches Ausrufezeichen in Sachen Tier- und Klimaschutz. Als Ergänzung zum bereits allgegenwärtigen Plastikpelz sozusagen. So wie es mittlerweile ja auch einen synthetischen Fleischersatz gibt. Aktivisten empfehlen, komplett auf Tierleder zu verzichten und stattdessen das Ersatzprodukt aus der Retorte zu verwenden. Das habe die gleichen Eigenschaften und sei genauso schick.

Aber woraus wird dieses “gute” Leder eigentlich hergestellt? Wenn man das mal nachschaut, erfährt man, dass PVC ein wesentlicher Bestandteil ist. Ein Stoff, der bekanntlich aus Rohöl hergestellt wird – umwelttechnisch vielleicht nicht ganz unproblematisch. Und weil PVC eigentlich hart ist, werden ihm noch chemische Weichmacher hinzugefügt, um das Leder geschmeidig zu machen. Klingt auch nicht so gesund.

Ich kann mir nicht helfen: ich fühle mich an der Nase herumgeführt, wenn ein Problem einfach unter der Hand durch ein anderes ersetzt wird. Aber eines ist mir immerhin jetzt ganz klar geworden: Solche Trends sind immer auch ein Spiegel der Gesellschaft, in der sie ausgerufen werden. Doch vielleicht muss man für die in diesem Jahr arg gebeutelte Modebranche auch Verständnis aufbringen: die Labels sitzen als Folge des Lockdown auf riesigen Kleiderbergen, da braucht es vor allem eines: eine geschickte Vermarktung.

Ihre

Marie-Therese