Ihr Lieben,

Heute kam ein Paket an mit zwei neuen Blusen, ganz in weiß: eine eher klassische und eine etwas verspielte mit Rüschen. Aus dem Sommer-Sale, ich konnte nicht widerstehen, obwohl mir Mode in dieser Saison doch eigentlich nicht so wichtig ist. Zwei mal weiß, in weißem Papier und weißem Karton. Beim Auspacken aber dann auf einmal ein komisches Gefühl: ich dachte plötzlich an Arztkittel, an Krankenhaus. Die Bilder der vergangenen Wochen und Monate, die Krankengeschichten, die Infektionszahlen. Und dabei immer wieder weiße Kittel.

Weiß sei der Modetrend dieses Sommers, war vor einigen Wochen in der Presse zu lesen. Da war von fließenden Kleidern in weiß die Rede, von weißen Röcken in Maxilänge und von schmalen weißen Hosen. Der Clou, so hieß es da, sei die Kombination verschiedener Materialien und Strukturen, also weißes Leinen mit weißer Seide zum Beispiel. Und dazu gab es gleich den passenden philosophischen Überbau: weiß als Farbe der Reinheit, der Unschuld, der Unbeflecktheit. Der größtmögliche Kontrast zur Krankheit, die ja gerne mit roten Knubbeln auf einer grauen Kugel dargestellt wird. Doch bestimmt Corona jetzt schon die Mode? Das kann ja wohl nicht angehen! Und ich mache selber mit und bestelle mir ganz unbedacht weiße Blusen!

Aber vielleicht geht es auch eine Nummer kleiner. Wenn ich mich recht entsinne, gab es kaum einen Sommer, in dem die Farbe weiß nicht zur Modefarbe ausgerufen worden wäre. In der warmen Sonne trägt sich weiß ja auch sehr angenehm. Ich brauche keine verordneten Modetrends, um meinen Kleiderschrank zu füllen. Wenn ich gut drauf bin, kommen mir die Ideen für die richtige Farbauswahl ganz von alleine. Und in diesem Sommer ist es wie in allen Jahren zuvor: ich kombiniere weiß mit anderen Farben. Also zum Beispiel mit einer ausgewaschenen Jeans oder einer schwarzen Leinenhose. Eine schmale weiße Hose geht auch toll mit einem knallig bunten Pulli, orange zum Beispiel. Oder wer es ganz klassisch will: ein weißer Blazer zur schwarzen Marlene-Dietrich-Hose. So geht’s – und dann denke ich schon gar nicht mehr an Corona.

Ihre

Marie-Therese