Ihr Lieben,

Früher konnte ich es manchmal kaum erwarten. Ich hatte irgendwo ein Teil entdeckt, das musste ich einfach haben. Koste es, was es wolle. Und wenn ich es dann hatte, dann wollte ich es unbedingt zeigen. Am liebsten sofort. Bei der Geburtstagsparty am selben Abend, beim Konzert oder beim Abendessen zu zweit. Und wehe, meiner Begleitung fiel meine „Haute Couture“ gar nicht auf.

Das ist jetzt vorbei. Corona tötet die Sinne! Geht es Ihnen auch so, dass Sie im Moment gar keine richtige Lust darauf verspüren, sich herauszuputzen? Geburtstagspartys gibt es allenfalls mit Abstandsgebot; Kino, Konzerte, Oper gestrichen und beim Abendessen zu zweit ist die wichtigste Frage, ob ich meine Maske eingesteckt habe. Irgendwie macht das alles keinen Spaß.

Aber gehen lassen will ich mich auch nicht. Ich kenne mich: das würde mich am Ende nur runterziehen. Nennen Sie es Disziplin, nennen Sie es Haltung: ich möchte auf mich achten!

Bleibt aber immer noch die Frage: Wie soll ich in Corona-Zeiten mein äußeres Erscheinungsbild definieren? Die großen Mode-Labels liefern mir gerade null Komma null Anregungen. Die haben auch genug mit sich zu tun. Dramatische Umsatzeinbrüche seit dem Lockdown. Die großen Modemessen werden alle abgesagt; viele Marken haben jetzt schon angekündigt, dass ihre Herbst-/Winter-Kollektionen deutlich schlanker ausfallen werden. Richtige Trends: Fehlanzeige.

Im Grunde geht es mir ja nicht anders als der ganzen Modebranche. Die Pandemie markiert eine Zäsur. Es gibt in der Modewelt wie in meinem Kleiderschrank zwei Zustände – ein „Vor Corona“ und ein ganz, ganz schmales „Nach-Corona“.

Von Entschleunigung ist jetzt viel die Rede. Von neuen Maßstäben und alten Werten. Und von der Rückbesinnung auf ein Modedesign, das nachhaltig war, jenseits von irgendwelchen Herbst-Kollektionen, die im nächsten Frühjahr nur mehr Schnee von gestern sind. Die ideale Zeit für ein paar neue Klassiker. Jenseits aller Trends. Mode, die bleibt über den Tag hinaus. Ich kann es kaum erwarten.

Ihre

Marie-Therese